Warum mit Kindern über Investitionen sprechen?

Das Wort „Investition" klingt für viele Eltern wie etwas aus einer anderen Welt — vorbehalten für Reiche, Banker oder Menschen mit Finanzausbildung. Die Realität ist jedoch weit zugänglicher. Investieren ist im Grunde eine einfache Entscheidung: Anstatt heute Geld auszugeben, lassen Sie es für sich arbeiten — und später haben Sie mehr.

Warum sollte man das Kindern erklären? Weil sie, je früher sie die Kraft der Geduld und des Geldwachstums im Laufe der Zeit verstehen, als Erwachsene bessere Finanzentscheidungen treffen werden. Auch deshalb, weil die heutigen Kinder sich viel früher als wir denken um Altersvorsorge, Hypotheken und Investitionen kümmern müssen.

Das Grundprinzip: Geld kann wachsen

Fangen wir ganz von vorne an. Wenn Sie 100 € haben und sie in eine Schublade legen, haben Sie nach einem Jahr immer noch 100 € (abzüglich Inflation — dazu kommen wir noch). Wenn Sie es jedoch investieren — zum Beispiel in einen ETF-Fonds, der den globalen Aktienmarkt abbildet — können Sie historisch eine durchschnittliche jährliche Rendite von etwa 7–10 % erwarten (nach Inflation ca. 4–7 %).

Für ein Kind könnte man es so formulieren: „Stell dir vor, deine Spielzeugsammlung bekommt jedes Jahr automatisch eine neue Figur dazu. Ohne dass du dafür bezahlst. So funktionieren Investitionen."

Was ist eine Aktie?

Eine Aktie ist ein kleines Eigentumsanteil an einem Unternehmen. Wenn Sie eine Apple-Aktie kaufen, werden Sie (kleiner) Miteigentümer dieses riesigen Konzerns. Wenn das Unternehmen gut läuft und mehr Geld verdient, steigt der Aktienkurs. Wenn es schlecht läuft, fällt er.

Beispiel für ein Kind: „Stell dir vor, drei Freunde eröffnen gemeinsam einen Limonadenstand. Jeder gibt 10 € und bekommt ein Drittel des Unternehmens. Wenn der Stand gut läuft, ist das Drittel mehr wert. Eine Aktie ist genau das — ein Stück eines Unternehmens."

Eine wichtige Eigenschaft von Aktien: Sie sind volatil. Das bedeutet, ihr Kurs schwankt — manchmal erheblich. Im Jahr 2020 fielen die Aktienmärkte während der COVID-Krise innerhalb weniger Wochen um 30 %. Danach erholten sie sich innerhalb eines Jahres und stiegen weiter. Kurzfristige Schwankungen sind normal. Der langfristige Trend zeigt historisch nach oben.

Was ist eine Anleihe?

Eine Anleihe ist im Wesentlichen ein Kredit, den Sie einem Unternehmen oder Staat gewähren. Sie versprechen Ihnen, das Geld nach einer festgelegten Zeit zurückzuzahlen und Ihnen regelmäßig Zinsen (Kupon) zu zahlen.

Beispiel für ein Kind: „Dein Freund leiht sich 50 € von dir für ein neues Fahrrad. Er verspricht, dir jeden Monat 2 € extra zu zahlen, und nach einem Jahr gibt er dir die vollen 50 € zurück. Du bist der Gläubiger. Er ist der Schuldner. Genau so funktioniert eine Anleihe."

Anleihen sind in der Regel weniger riskant als Aktien, aber sie bringen auch niedrigere Renditen. Sie sind für Menschen geeignet, die Stabilität gegenüber Rendite bevorzugen — zum Beispiel für jene, die kurz vor der Rente stehen und sich keine großen Schwankungen leisten können.

Was ist ein ETF-Fonds?

Ein ETF (Exchange-Traded Fund) ist ein „Korb" von Aktien oder Anleihen, der an der Börse wie eine einzelne Aktie gehandelt wird. Anstatt Aktien von 500 verschiedenen Unternehmen einzeln zu kaufen, kaufen Sie einen ETF und besitzen automatisch einen Anteil an allen 500.

Warum ist das großartig für Anfänger? Weil Diversifikation — die Risikoverteilung auf viele verschiedene Anlagen — eines der wichtigsten Prinzipien des Investierens ist. Wenn ein Unternehmen bankrott geht, ist Ihr Verlust minimal, weil Sie in Hunderte anderer investiert sind.

Beispiel für ein Kind: „Stell dir vor, statt alle Chips auf eine Karte zu setzen, setzt du ein bisschen auf 500 verschiedene Karten. Wenn eine nicht klappt, spielst du trotzdem weiter. So funktioniert ein ETF."

Zinseszins — das achte Weltwunder

Albert Einstein soll den Zinseszins als „achtes Weltwunder" bezeichnet haben. Das Prinzip ist einfach: Die Erträge aus einer Investition werden reinvestiert, sodass sie wiederum weitere Erträge erwirtschaften. Der Effekt über die Zeit ist enorm.

Ein konkretes Beispiel:

  • Ein Kind (10 Jahre alt) bekommt 1.000 € von den Großeltern.
  • Die Eltern investieren es in einen ETF-Fonds mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 7 %.
  • In 10 Jahren (mit 20) hat es ca. 1.967 €.
  • In 20 Jahren (mit 30) ca. 3.870 €.
  • In 40 Jahren (mit 50) ca. 14.974 € — ohne einen einzigen Euro mehr einzuzahlen.

Das ist die Macht des Zinseszinses. Geld arbeitet, während das Kind sein Leben lebt.

Cost-Averaging: Regelmäßig investieren, nicht „zum richtigen Zeitpunkt"

Viele Menschen investieren nicht, weil sie auf den „richtigen Zeitpunkt" warten. Professionelle Investoren wissen, dass dieser Zeitpunkt nie kommt — niemand kann Marktbewegungen zuverlässig vorhersagen.

Die Lösung? Cost-Averaging (Durchschnittskosteneffekt) — die Strategie, regelmäßig einen festen Betrag unabhängig vom Marktstand zu investieren. Wenn Sie jeden Monat 50 € investieren, kaufen Sie manchmal mehr Anteile (wenn sie günstig sind), manchmal weniger (wenn sie teuer sind). Über einen langen Zeitraum gleichen sich diese Schwankungen aus und das Ergebnis ist ein stabiles Wachstum.

Wie man darüber mit Kindern spricht

Sie müssen Kindern nicht die gesamte Börsenmechanik erklären. Ein paar einfache Konzepte reichen:

  • „Geld kann wachsen" — das Grundprinzip des Investierens.
  • „Geduld zahlt sich aus" — Langfristigkeit ist entscheidend.
  • „Nicht alle Eier in einen Korb" — Diversifikation.

Das Spiel STILL tut genau das — es erklärt diese Prinzipien durch Spielgeschichten und Entscheidungen, bei denen das Kind in Echtzeit sieht, wie seine Spiel-„Investitionen" je nach seinen Entscheidungen wachsen oder fallen.

Fazit: Fangen Sie einfacher an als Sie denken

Für Kinder zu investieren muss nicht kompliziert sein. Eröffnen Sie ein Sparkonto für das Kind. Richten Sie einen regelmäßigen monatlichen Dauerauftrag in einen ETF-Fonds ein. Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber, was das ist und warum Sie es tun. Und lassen Sie die Zeit den Rest erledigen.

Der teuerste Tag zum Starten einer Investition war gestern. Der zweitteuerste ist morgen. Fangen Sie heute an.